8. Juli 2016 (Wohnungspolitik)

Städtebaulichen Hilfen: Genug für alle

Wohnungsneubau, Investitionen in Bildung und Ausbildung, Beschäftigung und Schulplätze für die Kinder – allein 2016 hat das Land NRW vier Milliarden Euro für die Unterbringung und Integration geflüchteter Menschen veranschlagt. Mehr Lehrerstellen und mehr Kita-Plätze kommen aber letztendlich nicht nur den neu angekommenen Menschen, sondern allen zugute, die hier leben. Ein Besuch in Lanstrop.

Foto: Alexandra Gerhardt

Ende 2014 zogen die ersten fünf Flüchtlingsfamilien nach Lanstrop. Sie wurden nicht in Sammelunterkünften, sondern dezentral in Wohnungen im Stadtteil untergebracht. Schnell fand sich eine Gruppe Lanstroper, die die Angekommenen seitdem mit Sprachkursen, Möbeln, Kleidung und bei Behördengängen unterstützt. Als die Stadt Dortmund Ende 2015 fünf weitere Wohnungen für Flüchtlingsfamilien anmietete, wurde in Gottesdiensten der St.-Michael-Gemeinde und in der Friedenskirche um Unterstützung geworben – und ohne lange zu überlegen, hätten sofort gut 20 Familien Hilfe zugesagt, erinnert sich der Lanstroper Franz-Josef Nienhaus. 

Seitdem werden die Neuangekommenen vom Helferkreis „Angekommen“ unterstützt, zu dem zum Beispiel auch koptische Christen gehören, die sich inzwischen in dem Dortmunder Stadtteil eingelebt haben. Mit Sprachkursen hat die Flüchtlingshilfe angefangen, heute treffen sich alte und neue Lanstroper alle zwei Wochen montags im evangelischen Gemeindehaus. Organisiert unter dem Dach der St.-Michael-Gemeinde lernen sie sich kennen, kommen in Kontakt, kochen gemeinsam und unternehmen Ausflüge. „Es geht vor allem darum, die Menschen, die hier wohnen, zu integrieren, aber auch darum, gegenseitig Neues zu lernen“, sagt Nienhaus. „Angekommen“ hat bei Sprachkursen und gemeinsamen Unternehmungen nicht aufgehört. Längst haben sich Freundschaften entwickelt, und die, die vor Kurzem die Neuen waren, erleichtern nun anderen den Start in den neuen Lebensabschnitt.

Platz im Ländlichen

Während die Mieten besonders in Innenstadtlagen steigen und günstige Wohnungen schwerer zu bekommen sind, ist in Lanstrop noch Platz. Insbesondere die Großsiedlung hat über Jahre hinweg aufgrund großer Mängel, Verwahrlosung und einem Desinteresse der Eigentümer negative Schlagzeilen gemacht. Darum sind viele Menschen weggezogen, der Leerstand lag 2013 bei über 20 Prozent.

Das ändert sich gerade. „Lanstrop wächst wieder“, weiß Nienhaus, nicht nur, weil geflüchtete Menschen in den Stadtteil ziehen. Der Wohnungsbaugesellschaft Lanstrop gehören 1.160 Wohnungen im Stadtteil. Seit März 2014 sind zwei US-amerikanische Finanzinvestoren die neuen Eigentümer. Vertreten werden sie durch die BMP Immobilienentwicklung GmbH in Berlin. Ihre Strategie ist es, mit Renovierungen der Fassaden und der leerstehenden Wohnungen die Leerstandszahlen zu senken – aufgrund des enger werdenden Wohnungsmarktes in Dortmund nicht ohne Erfolg. Die Anzahl der leerstehenden Wohnungen sank von 300 auf nur noch 120. Zehn davon sind bereits an geflüchtete Familien vermietet. Die nächsten 50 sollen in den kommenden Monaten folgen.

Barrierefreie Zukunft

Der Sachstandsbericht Flüchtlinge der Stadt Dortmund sieht auf dem ehemaligen Schulgelände an der Büttnerstraße – als einem von stadtweit zwölf Standorten – zudem Potenzial für 50 Wohnungen, die barrierefrei sein werden und Menschen mit Wohnberechtigungsschein zur Verfügung stehen sollen. Die dezentrale Unterbringung in der Großsiedlung Lanstrop böte damit die Chance, den öffentlich geförderten Neubau für ältere Menschen auszurichten und so eine Lücke im Wohnungsangebot zu schließen. Barrierefreie Wohnungen bietet die Groß-Siedlung Lanstrop nicht.

Der Stadt Dortmund wurden zur Begleitung zwei Projekte im Förderprogramm „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“ des NRW-Bauministeriums bewilligt. Die Kindertagesstätte Gürtlerstraße wird für knapp zwei Millionen Euro um zwei Gruppen erweitert, 134.000 Euro fließen in die Instandsetzung der Brukterer-Grundschule. 80 Prozent der Kosten trägt das Land NRW. Eine Großpflegestelle für Kinder unter drei Jahren wurde nicht bewilligt, soll aber möglichst durch eine Förderung aus dem Jugendamt realisiert werden.

Auch eine Integrationsbegleitung im Quartier schaffte es nicht in die Förderung. „Das Sozialamt wird aber auf jeden Fall sicherstellen, dass den Akteuren und den Flüchtlingsfamilien vor Ort ein fester Ansprechpartner zur Verfügung gestellt wird“, sagt Stadtsprecherin Heike Thelen. Und genau der ist nach den Erfahrungen von Franz-Josef Nienhaus auch notwendig: „Wichtig ist Sozialarbeit vor Ort und ein Büro, in dem die Menschen Behördengänge erledigen können und Unterstützung bekommen, ohne immer in die Stadt fahren zu müssen“, sagt der Vorruheständler. Die Maßnahmen aus dem Landesprogramm und die Pläne der Stadt, auch die nichtbewilligten Projekte umsetzen zu wollen, sieht der Helferkreis als positive Ergänzung des Engagements vor Ort. „Die Zusammenarbeit, zum Beispiel mit BMP Immobilien und der Brukterer-Schule, läuft sehr gut. Die Projekte der Stadt sind da ein Schritt in die richtige Richtung.“

Autorin: Alexandra Gerhardt, erschienen im MieterForum Nr. 44 II/2016


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