Der Althoffblock im Kreuzviertel gehört zu den beliebtesten Wohnquartieren der Stadt. Das ab 1914 vom genossenschaftlichen Spar- und Bauverein erbaute Ensemble von mehreren zumeist viergeschossigen Gebäudekarrees liegt zentral und bietet mehr als 1.500 bezahlbare Wohneinheiten mit Altbau-Charme. Und: die wahrscheinlich schönsten Innenhöfe der Stadt.
Auch heute noch ist der Althoffblock im Bestand des Spar- und Bauvereins und gehört zu den gefragtesten Objekten des Wohnungsunternehmens. Wer dort einziehen möchte, benötigt einen langen Atem, denn die Warteliste ist lang. Ein Grund, warum der Althoffblock so beliebt ist, sind dessen Bewohner:innen, die eine motivierte und engagierte Nachbarschaftsinitiative ins Leben gerufen haben. Mit einigen dieser aktiven Anwohner:innen sprachen wir über Engagement an der Basis, aktuelle Herausforderungen und die Idee des genossenschaftlichen Wohnens.
Innenhöfe als grüne Inseln
„Der Ausgangspunkt der Initiative war letztendlich die geplante Umgestaltung der Innenhöfe und der Grünflächen“, sagt Beatrice und zeigt Pläne des ausführenden Landschaftsarchitekten. „Das war Anfang 2021.“ Die über Jahrzehnte von den Bewohner:innen liebevoll gestalteten Innenhöfe – grüne Stadtinseln mit altem Baumbestand und großen Rasenflächen – bekamen gepflasterte Wege, natürliche Gefälle wurden durch Betonelemente abgestützt und alter Baumbestand sollte aus Sicherheitsgründen gefällt werden.
In Zeiten des Klimawandels eine unnötige Versiegelung von Flächen, fand die Initiative. Die engagierten Mitglieder begannen sich zu vernetzen, informierten die Anwohner:innen des Blocks und gingen aktiv auf den Spar- und Bauverein zu. „Den Kern bilden dabei 10 bis 15 Personen, die sich regelmäßig treffen“, erklärt Petra. Und weiter: „Je mehr Menschen sich anschließen, desto wirksamer können wir unser
Quartier mitgestalten. Durch eine größere Präsenz stärken wir unser Mitbestimmungsrecht. So schaffen wir gemeinsam die Möglichkeit uns bei Brennpunktthemen wie dem Mietspiegel für Genossenschaften und der Fernwärme gezielt einzubringen.“ Und so kristallisierten sich schnell weitere Maßnahmen des Wohnungsunternehmens heraus, die die Initiative kritisierte. Etwa steigende Nutzungsentgelte durch Modernisierungsmaßnahmen, der Einbau moderner Hauseingangstüren in die historischen Fassaden sowie der Anschluss des Blocks an das Fernwärmenetz. „Der Spar- und Bauverein spricht von 10 bis 30 Prozent niedrigeren Kosten“, sagt Karin. „Aber ob das dauerhaft so bleiben wird, konnte uns niemand versprechen.“
Geschützter Denkmalbereich
Es folgten viele Protestaktionen, offene Briefe wurden geschrieben, Unterschriften gesammelt, Petitionen gestartet und Erfolge erzielt: Im Sommer 2024 wurde der Althoffblock durch einen Beschluss des Stadtrats als Denkmalbereich unter Schutz gestellt. Doch auf diesen Erfolgen ruhen sich die Mitglieder der Initiative nicht aus. Hinter der Kritik an den diversen Maßnahmen des Spar- und Bauvereins steht eine deutlich größere Frage im Mittelpunkt: Wie muss genossenschaftliches Wohnen aussehen, damit Teilhabe, Mitgestaltung und Mitbestimmung gewährleistet sind und die Genoss:innen eben nicht zu Mieter:innen werden, die keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Genossenschaft haben.
Folgerichtig engagieren sich einige Bewohner:innen des Althoffnlocks auch in der 2023 gegründeten Initiative „Genossenschaft von unten Dortmund“, die sich für mehr Mitbestimmung einsetzt. „Wir möchten, dass sich genossenschaftliche Werte wie die Versorgung mit günstigem Wohnraum, Solidarität und eine Mitbestimmung auf Augenhöhe mit Vorständen und Aufsichtsräten durchsetzen“, verdeutlicht Kirsten.
Genossenschaftliche Mitbestimmung
Doch bei einer Genossenschaft mit mehr als 20.000 Mitgliedern stoßen basisdemokratische Ideen schnell an ihre Grenzen. Organe wie die gewählte Vertreterschaft sollen die Partizipation der Genoss:innen gewährleisten, sind jedoch vom operativen Geschäft weitgehend ausgeschlossen. Und wie lassen sich eigentlich ganz unterschiedliche, legitime Einzelinteressen so zusammenbringen, dass sich jedes Mitglied ausreichend repräsentiert fühlt? Eine Frage, die weder schnell noch einfach zu beantworten ist und die deshalb breit diskutiert werden muss.
Neben dem kritischen Blick auf die Entscheidungen des Spar- und Bauvereins setzt sich die Initiative auch für ein gutes Zusammenleben der Bewohner:innen des Althoffblocks ein und organisiert immer wieder Feste rund um die Gebäude. Das stärkt das soziale Miteinander, die Identifikation mit dem direkten Umfeld und das Verantwortungsbewusstsein für die Nachbarschaft. Denn nur wer sich kennt, achtet auch aufeinander.
Das Engagement im Althoffblock zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll und wirksam Nachbarschaftsarbeit vor Ort sein kann. Wo Menschen sich zusammenschließen, um ihre unmittelbare Lebensumgebung zu gestalten, entsteht gelebte Mitbestimmung – jenseits von Gremien und Geschäftsordnungen. Solche Initiativen sind eine unverzichtbare Ergänzung zur organisierten Arbeit des Mietervereins: Sie greifen auf, was im Alltag spürbar ist, bringen Anliegen direkt aus der Bewohnerschaft ein und tragen dazu bei, dass sozialer Zusammenhalt und Mitverantwortung im Quartier lebendig bleiben – beharrlich, solidarisch und mit Wirkung für das ganze Viertel.
Autor: Mirko Kussin Erschienen im Mieterforum Nr.82 (IV/2025)
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