10. März 2017 (Wohnungspolitik, LEG NRW)

Mehr als Netto?

Es tut sich was im Meylantviertel in Dortmund Wickede. Im Dezember eröffnet endlich wieder ein Lebensmittelgeschäft in der Ladenzeile an der Meylantstraße. Ein Segen für die zahlreichen älteren Bewohner der LEG-Großsiedlung, die eine fußläufig erreichbare Nahversorgung zu schätzen wissen. Auch an anderen Stellen wird gebaut und modernisiert. Doch es bleibt weiterhin viel zu tun – leider auch für den Mieterverein Dortmund und den Mieterbeirat.

Licht und Schatten liegen in der Meylant-

Jahrelang ging es trostlos zu im Einkaufszentrum am Ende der Meylantstraße. Die Sparkassenfiliale wurde leergezogen, Schlecker ging in die Insolvenz und Geschäftslokale blieben leer. Immerhin: Ein Kiosk hielt die Stellung und versorgte die Anwohner der Siedlung mit dem Allernötigsten. Außerdem noch in der Ladenzeile: das Servicebüro der LEG, das Pilotprojekt VitalLokal sowie die Räume des Mieterbeirats. Ein Frisör und ein Pflegedienst rundeten das Angebot ab. Der Zahn der Zeit nagte überall: alternder Waschbeton, rostende Geländer, morsche Holzverkleidungen.

 

Frischer Wind

Ein neuer Anbau mit einem Netto-Lebensmittelmarktsoll das Einkaufszentrum nun beleben und aufwerten. Die Planungen zogen sich über Jahre hin, viele potenzielle Investoren lehnten ab. Eine zu kleine Verkaufsfläche, ein zu kleines Einzugsgebiet und eine gute Versorgungslage im Ortskern von Wickede waren deren Gegenargumente. Schließlich konnten mit dem Regensburger Investor Ratisbona und dem Discounter Netto doch noch zwei kompetente Partner gefunden werden. Auch Uli Braun vom Mieterbeirat freut sich über das neue Angebot: „Das ist wichtig für die Siedlung. Hier wohnen viele Menschen, die mit der Siedlung älter geworden sind. Kurze Wege zum Einkauf helfen dabei, länger selbstständig wohnen zu können.“ Laut LEG sind rund 25% der etwa 3.500 Bewohner älter als 65 Jahre.

 

Vergangene Zeiten

Die Meylant-Siedlung ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Anfang der 1960er Jahre zog die Neue Heimat die Großsiedlung mit mehr als einhundert überwiegend viergeschossigen Wohnhäusern auf der grünen Wiese hoch. Anfangs als bevorzugtes Wohngebiet im grünen Gürtel von Dortmund wahr- und angenommen, wurde im Laufe der Zeit der Sanierungsstau immer offensichtlicher. Die alte LEG, noch im Eigentum des Landes NRW, begann mit umfangreichen Sanierungen, bevor der Verkauf an die Whitehall-Fonds von Goldman Sachs die Arbeiten und Planungen 2008 in Stocken brachte. Ab 2010 nahm die LEG die Modernisierungen in geringerem Umfang und kleineren Abschnitten wieder auf.

 

Öffentliche Mittel

Spaziert man heute durch die Siedlung, sucht man vergebens nach einem erkennbaren Masterplan der LEG. Einige Häuser, etwa an der Meylantstraße 2 und 4, wurden energetisch modernisiert, die Fassaden leuchten bunt und freundlich. Zusammen mit dem Gebäude Meylantstraße 17, das zusätzlich komplett barrierearm umgebaut wird, entstanden und entstehen so im Rahmen der Landesinitiative „Besser Wohnen – Energetische Sanierungsplus“ insgesamt 48 öffentlich geförderte Wohnungen, die zukünftig mietpreisgebunden bleiben werden. Ein positives Signal, aber weder in NRW noch im Meylant-Viertel die Regel, sondern eine der wenigen Ausnahmen, in denen die LEG öffentliche Fördergelder für preisgebundene Mieten nach Modernisierungen in die Hand nimmt.

Geht man ein paar Meter weiter, zeigt die Siedlung ein ganz anderes Gesicht: Sperrmüllhaufen liegen auf den Grünflächen, Garagenwände sind mit Graffiti beschmiert, Hausfassaden bröckeln.
Laut eigenen Angaben investierte die
LEG zwischen 2008 und 2014 mehr als
13 Millionen Euro in die Modernisierung von rund 800 Wohnungen im Viertel. Auf dem Papier mag die Summe beeindrucken, vor Ort zeigt sich allerdings: Das reicht hinten und vorne nicht.

 

Alltagsprobleme

Abgesehen von diesen sichtbaren Problemen haben die Mieter auch im Alltag immer wieder mit der LEG zu kämpfen: Mieterhöhungen, die mit der „besonders günstigen Lage“ in Wickede begründet wurden, intrasparente Betriebskostenabrechnungen und hohe Heizverluste aufgrund veralteter Anlagen. Aktuell ist der Auslöser für Mieterfrust eine neu eingerichtete zentrale Servicenummer, die die offenen Sprechstunden vor Ort ersetzen soll. Zahlreiche Mieter beschwerten sich in den vergangenen Wochen über die schlechte Erreichbarkeit der Hotline und endlose Warteschleifen. Dabei sollte diese Nummer genau das Gegenteil bewirken: Wartezeiten verkürzen und den Service verbessern.

Es zeigt sich immer wieder: Die 2008 beim Verkauf der LEG an Whitehall ausgearbeitete Sozialcharta – vom damaligen Ministerpräsidenten Rüttgers als „bester Mieterschutz aller Zeiten“ bezeichnet – ist in der Praxis ein zahnloser Tiger.

Der neue Supermarkt im Viertel verbessert die Nahversorgungssituation, keine Frage. Die mit öffentlichen Mitteln modernisierten Wohnungen sichern langfristig Wohnraum für Geringverdiener, auch das ist richtig. Und Pilotprojekte wie das VitalLokal fördern die Bindung der Bewohner zu ihrem Quartier. Doch der scheinbaren Fürsorge stehen regelmäßige Mieterhöhungen, intransparente Betriebskostenabrechnungen und schleppende Modernisierungen gegenüber. Es gibt noch viel für die LEG zu tun, damit den Bewohnern in Wickede mehr als nur ein Netto bleibt.

 

Woanders ist auch Ärger

Große Aufregung gibt es zurzeit bei den LEG-Mietern am Hörder Kampweg. Sie sollen nach der abgeschlossenen Modernisierung ab Dezember 2016 bis zu 7,50 Euro den Quadratmeter Kaltmiete zahlen. Mieterhöhungen von 130 Euro im Monat lassen den Ärger über die LEG wachsen. Eine Mieterinitiative kämpft gemeinsam mit dem Mieterverein schon seit Ankündigung der Maßnahmen für eine geringere Mieterhöhung. „Wir empfehlen allen betroffenen Mietern die Mieterhöhung zu prüfen, gegebenenfalls Widerspruch einzulegen und die neue Miete nur unter Vorbehalt zu zahlen. Andernfalls kann die Zahlung der erhöhten Miete als Anerkenntnis der Mieterhöhung gewertet werden. Für unsere Mitglieder kümmern wir uns um die Prüfung, den Widerspruch und begleiten die sich daraus ergebenden weiteren Schritte.“, sagte Dr. Tobias Scholz. 

Autorin: Mirko Kussin, erschienen in Mieterforum Nr. 46 IV/2016


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