16. September 2022 (Wohnungspolitik, DEGAG / Altro Mondo)

In Wirklichkeit ganz anders

Als sich Anfang 2020 die belvona GmbH bei zahlreichen Mieter:innen in ehemaligen Beständen der Altro Mondo als neue Eigentümerin vorstellte, vermittelte sie eine Aufbruchsstimmung. Alles sollte besser werden: besserer Service für Mieter:innen, schneller Abbau von aufgelaufenen Schäden und Mängeln und die Schaffung von qualitativ hochwertigem Wohnraum zu bezahlbaren Preisen.

Zwei Jahre später ist bei vielen Mieter:innen die Ernüchterung eingekehrt. Auch am Herwingweg 2-4 in Dortmund-Wickede, wo der Ärger im Sommer 2019 seinen Höhepunkt fand. Neben dem über lange Zeit angewachsenen Frust über Leerstände, nicht beseitigte Mängel und eine zunehmende Verwahrlosung der Häuser, drohte plötzlich DEW21 mit einer Versorgungs­sperre, weil die damalige Hausverwaltung Altro Mondo hohe Zahlungsrückstände hatte auflaufen lassen. Dann verschwand Altro Mondo. Und belvona tauchte auf und versprach Besserung.

In vielen Meldungen bemühte sich das Unternehmen um ein neues Image, sprach von „14.000 glücklichen Mietern“, rief eine Zufriedenheitsgarantie aus und distanzierte sich von Altro Mondo. Verwunderlich, denn auch heute noch wirbt belvona auf der Unternehmensseite damit, Teil der Birger Dehne AG zu sein. Und der Name Birger Dehne tauchte auch in Bezug zu Altro Mondo auf, jenes Unternehmen, das 2019 als Tochter der Dehne & Krüger Holding geführt wurde, die wiederum eng mit der DEGAG verbunden war. Über das Geflecht von verwirrend vielen Tochter-, Projekt- und Verwaltungsgesellschaften, Geschäftsführern und Holdings berichteten wir bereits im Mieterforum 53. Übersichtlicher wurde das Geflecht von Eigentümer:innen und Besitzer :innen in der Zwischenzeit nicht, im Gegenteil.

„Anfangs war man bemüht“, sagt ein Mieter vom Herwingsweg, der nicht genannt werden möchte. „Und im Vergleich zum Vorbesitzer sind auch einige Sachen in Angriff genommen worden, aber …“ Und dann folgen doch wieder die immer ähnlich klingenden Probleme: Leerstand, angefangene, aber nicht beendete Arbeiten, Schäden, die nicht behoben werden. „Dabei könnte es hier echt schön sein“, erzählt der Mieter. „Viele Grünflächen, die Anbindung ist gut. In der Nähe gibt es eine Kita. Für Familien ideal.“

Während sich belvona im Jahr 2021 weiterhin um eine gute Außendarstellung bemühte, tauchten allerdings die ersten Berichte auf, die nichts Gutes befürchten ließen. „Neuer Vermieter, alte Probleme“ betitelte die WAZ einen Artikel über das Wohnquartier Emscherstraße in Herne. Weiterhin gäbe es Schwierigkeiten mit der Kommunikation, defekte Heizungen, Schimmelbefall und ausgefallene Aufzüge.

In einer – mit fast 900 Mitgliedern – relativ großen Facebook-Gruppe für (Ex-)Mieter:innen von Altro Mondo und belvona ist inzwischen der Frust zurückgekehrt. Mehrere Mieter:innen berichten von Wohnungen, die zum Mietbeginn nicht übergabefähig waren. Auch der Mieterverein Dortmund betreut unter anderem einen Mieter, dessen zum 01.06.2021 angemietete Wohnung bis Mitte Juli 2021 immer noch nicht bezugsfertig war. Das Mitglied kündigte daraufhin den Mietvertrag fristlos. Zwar springt das Unternehmen in solchen Fällen kurzfristig ein und übernimmt die Unterbringung in Ferien- bzw. Übergangswohnungen, aber für Mieter:innen bedeutet dies viel Ärger. Aus der alten Wohnung musste man raus, in die neue kann man nicht rein und der Traum vom schöneren Wohnen entwickelt sich mit jedem weiteren Tag zum Albtraum. „Obwohl der Mieter bereits früh fristlos kündigte und sich eine andere Wohnung suchte, verzögerte sich die Rückzahlung von Betriebskostenvorauszahlungen sowie der Kaution“, erklärt Markus Roeser, wohnungspolitischer Sprecher des Mietervereins. Die Kaution wurde erst 2022 überwiesen. Auf den entstandenen Zusatzkosten für den erneuten Umzug ist unser Mitglied bisher sitzen geblieben.

Eine, am 13.08.2022 per E-Mail übermittelte Anfrage des Mieterforums an das Unternehmen blieb leider bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. Schade, denn wir hatten sowohl nach dem Stand in einem ganz konkreten Fall gefragt, in dem eines unserer Mitglieder betroffen ist, als auch generell nach Leerständen. Insbesondere interessierte uns auch, warum es immer wieder dazu kommt, dass Wohnungen zur Übergabe nicht fertiggestellt werden.

Seit Anfang des Jahres spitzt sich die Situation für belvona-Mieter:innen erneut zu. Bundesweit tauchten Fälle auf, in denen Mieter:innen Versorgungssperren drohten. So etwa im Februar 2022 in Porta Westfalica, im Juli in Halle-Neustadt, im August in Groß Schacksdorf im Landkreis Spree-Neiße. In Halle-Neustadt entschuldigte sich das Unternehmen dürftig mit einer „internen Umstellung des Zahlungsverkehrs“.

Es scheint, die Versprechungen von glücklichen Mieter:innen und Zufriedenheitsgarantien, sind – wieder einmal – nichts als heiße Luft. Wenn ein bundesweit tätiges Wohnungsunternehmen es längerfristig nicht schafft, angemietete Wohnungen pünktlich bezugsfertig herzurichten oder Zahlungen der Mieter:innen ordnungsgemäß an den örtlichen Versorger weiterzuleiten, dann macht es – wohlwollend betrachtet – mindestens einen schlechten Job. Eine mieterfreund­ liche Strategie ist zumindest nicht erkennbar.

Autor: Mirko Kussin // Erschienen in Mieterforum Nr. 69 III/2022

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