29. Juni 2023 (Wohnungspolitik)

Immobilienkonzern Adler: „Erneut zeigt sich: Wohnungen gehören nicht an die Börse!“

In Bezug auf die Ermittlungen wegen Verdacht auf Falschbilanzierung, Marktmanipulation und Untreue beim Immobilienkonzern Adler sieht der Deutsche Mieterbund NRW systematische Probleme bei kurzfristig gewinnorientierten Wohnungsunternehmen.

In den Büros der Adler Real Estate kam es nach Medienberichten am 28.06.2023 zu Durchsuchungen durch die Staatsanwaltschaft Frankfurt unter anderem in mehreren Städten in NRW. Die Ermittler hatten wohl Hinweise auf Falschbilanzierung, Markmanipulation und Untreue. 

„Gut, dass Adler nach eigenen Angaben vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden kooperiert, es darf aber nicht dabei bleiben“, sagt Hans-Jochem Witzke, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes NRW. „Der Fall muss, wenn sich die Vorwürfe erhärten, lückenlos aufgearbeitet werden, damit nicht die Mieterinnen und Mieter nachher den Schaden haben.“ 

Adler steht seit geraumer Zeit in der Kritik, es gab Vorwürfe hinsichtlich der Geschäftspolitik. Unter anderem wegen zu hoher Bewertungen von Bauprojekten und anderen Immobilien. Auch in der Beratung der Mietervereine ist das Unternehmen immer wieder negativ aufgefallen. Adler musste aufgrund der Krise im Konzern den Großteil des Wohnungsbestandes bereits verkaufen, bspw. Ende 2021 ca. 15.000 Wohnungen an die LEG, Anfang 2022 weitere ca. 14.400 an einen Private-Equity-Fonds. 

Der DMB NRW weist bereits seit Jahren darauf hin, dass die Bilanzierungsmethoden börsennotierter Wohnungskonzerne ein großes Risiko bergen. Das zeigt sich bei Adler, aber auch anderen Immobilienkonzernen, die derzeit ihre Bestände bilanziell abwerten müssen. 

Die Rechnung hierfür zahlen die Mieter: Die Mieten werden regelmäßig bis an die Grenze des Zulässigen erhöht, Instandhaltung teilweise vernachlässigt. Auch klagen immer wieder Menschen darüber, dass die Wohnungsverwaltungen sehr schlecht zu erreichen sind und verzögert auf Anfragen reagieren. 

Die jetzigen Ermittlungen sind in diesem Jahr bereits die zweiten großen Durchsuchungen bei einem Wohnungskonzern: Bereits im Frühjahr hat die Staatsanwaltschaft Bochum bei Deutschlands größtem Vermieter, Vonovia, Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts eingeleitet. 

„Wenn Wohnungen nur als Ware gesehen werden, kommt nichts Gutes dabei heraus. Wohnen ist ein Menschenrecht, es bedarf einer staatlichen Regulierung, die effektiv ein Ausnutzen von Mieterinnen und Mietern verhindert“, meint Witzke weiter. Der DMB NRW wird das Verfahren weiterhin beobachten und steht mit den ihm angeschlossenen 48 Mietervereinen vor Ort für die individuelle Rechtsberatung zur Verfügung.

Pressemitteilung DMB NRW e.V. // 30.06.2023


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