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24. Juli 2025 (Vonovia)

Vonovia Siedlung Am Bahnhof Tierpark – Immer was Neues

In der Siedlung „Am Bahnhof Tierpark“ in Brünninghausen wohnen etliche Mieter:innen schon seit Jahrzehnten. Damals waren es noch gemeinnützige Wohnungen für Postbedienstete. Hieße die heutige Vermieterin nicht Vonovia wäre die Zufriedenheit mit der Wohnsituation aber wahrscheinlich deutlich höher. Die aktive Mieterinitiative vor Ort begleitet sowohl die kürzliche Teilmodernisierung, als auch die weiteren Versuche die Mieten weiter zu erhöhen.

Wohnungsgebäude der Vonovia in der Siedlung „Am Bahnhof Tierpark“

Foto: Kussin

2018 berichteten wir im Mieterforum 53 ausführlich über die umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen an den Gebäuden Am Bahnhof Tierpark 18 - 42. Rund 10 Millionen Euro hatte Vonovia seinerzeit in die Hand genommen, Fenster wurden ausgetauscht, Dächer und Kellerdecken gedämmt, Fassaden verschönert. Streit gab es damals aufgrund der intransparenten Modernisierungsankündigungen. Die engagierte Mieter:innen-Initiative warf dem Unternehmen vor, mit zu geringen Abzügen für Instandhaltung gerechnet zu haben und mit theoretischen Einsparungen zu rechnen, die in der Alltagspraxis nicht zu erzielen seien. Doch damit war der Ärger nicht vorbei.

Neuer Kessel, alte Leitungen

In den jüngsten Mieterhöhungen nach Mietspiegel, verwies Vonovia auf die vermeintlich vollständig modernisierte Heizungsanlage. Heiko Kleinot, der seit rund 50 Jahren dort wohnt, führt aus, worum in diesem Fall vor dem Amtsgericht Dortmund (Az. 423 C 5782/23) gestritten wurde: „Die Heizungsanlage wurde zwar erneuert, aber das Ringleitungssystem, über das die Wärme zu den einzelnen Gebäude transportiert wird, wurde so belassen.“ Eine Entscheidung, die andere Modernisierungsmaßnahmen ad absurdum führt. Da tauscht das Unternehmen für viel Geld Fenster aus, dämmt Dächer, Treppenhäuser, Kellerdecken und installiert eine neue Heizungsanlage, aber nimmt große Wärmeverluste beim Verteilen über das marode Leitungssystem in Kauf. 

Mit Unterstützung des Mietervereins gelang es Kleinot und seinem Mitstreiter Alwin Bartsch jedoch, dass Vonovia die jüngsten Mieterhöhung in diesem Punkt korrigierte. Ein toller Erfolg, durch den die anfälligen Leitungen aber auch nicht besser werden. „In diesem Jahr gab es schon wieder Versorgungsausfälle“, sagt Bartsch. Rund 300 Mieterinnen und Mieter wohnen in den Häusern, insbesondere die Älteren freuen sich, dass sie zwei Ansprechpartner aus ihren Reihen haben, die sie über neue Entwicklungen informieren, Tipps geben können und im Zweifelsfall einen heißen Draht zum Mieterverein haben.

Nicht alles, was glänzt …

Optisch haben die Maßnahmen den Bestand in Brünninghausen sichtbar aufgewertet. „Grey to gold“ nennt Vonovia die Strategie, mit der das Immobilienunternehmen in die Jahre gekommene Gebäude sowohl optisch und energetisch modernisiert als auch durch Maßnahmen wie barrierearme Zugänge zeitgemäße Nutzungsanforderungen erfüllt. Ob es dafür gold schimmernde Metallelemente im Eingangsbereich braucht, ist sicherlich auch eine Frage des ganz persönlichen Geschmacks. Für den Immobilienriesen jedoch soll die Modernisierung in Brünninghausen ein Startschuss für weitere „Grey to gold“-Projekte sein. So wird beispielsweise Vonovia Regionalleiter Ralf Peterhülseweh auf dem Portal „Wohnungswirtschaft heute“ wie folgt zitiert: „Die Verwandlung von Grau zu Gold ist nicht nur eine ästhetische Verbesserung, sondern auch ein verantwortungsvoller Schritt in Richtung einer lebenswerteren und umweltfreundlicheren Zukunft. Unser Bestand bietet eine ‚Grey to Gold‘ Blaupause für vernünftige zukunftweisende Modernisierungen von Siedlungen des 20. Jahrhunderts.“ 

Doch trotz schöner neuer Fassaden hören Bartsch und Kleinot auch immer wieder von Problemen der Mieter:innen mit Vonovia. Neben Unklarheiten bei den Betriebskostenabrechnungen sind es aktuell die Ankündigungen zur Installation der sogenannten „Multisensor plus“-Rauchmelder, die Vonovia bundesweit in ihren Beständen einbauen lassen will. Im Mieterforum 79 zeigten wir bereits ausführlich, warum diese Geräte, die Daten, die sie sammeln und die Kosten, die auf Mieter:innen umgelegt werden sollen, problematisch sind.

Überwachung oder Brandschutz

Im Kern geht es darum: Die „intelligenten“ Rauchmelder sammeln kontinuierlich Daten über Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit in der Wohnung. Kleinot und Bartsch sehen darin einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Privatsphäre und befürchten, dass die gesammelten Daten missbraucht werden könnten. „Und die Kosten sollen dann auch noch auf die Bewohner:innen umgelegt werden“, erklärt Kleinot. „Aber wofür? Den Komfortgewinn, den Vonovia anführt, sehe ich nicht.“ Bartsch ergänzt: „Wenn diese Geräte auf freiwilliger Basis installiert würden, wäre es kein Problem. Wenn jemand kontinuierlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit in seiner Wohnung überwachen möchte, kann er das ja gerne tun. Aber wenn mein Vermieter mir solche Geräte vorschreiben will, wehre ich mich.“ 

Mit dieser Skepsis stehen die Mieter:innen in Brünninghausen nicht allein: Bundesweit formiert sich aktuell Protest gegen die Datenkraken in den eigenen vier Wänden. Auch Bartsch verweist auf eine Online-Petition des Mietervereins Dortmund, die den Stopp des Einbaus der Multisensor Plus-Geräte fordert.

Solidarität als Erfolgsrezept

Bartsch und Kleinot zeigen, wie wichtig es ist, sich als Mieterschaft zu organisieren und gemeinsam aufzutreten. Mit Solidarität, fachkundige Unterstützung und einem engen Austausch untereinander können Mieter:innen der Macht großer Wohnungskonzerne erfolgreich entgegentreten. Ein ermutigendes Beispiel für alle, die sich gegen den Mietenwahnsinn börsennotierter Unternehmen, Intransparenz und Willkür zur Wehr setzen wollen.

Online-Petition

Wenn Sie ebenfalls von Vonovias Rauchmeldertausch betroffen sind oder Ihnen das Vorgehen des Unternehmens missfällt, können Sie die Petition des Mietervereins mit Ihrer Unterschrift unterstützen.

Autor Mirko Kussin, erschienen im Mieterforum Nr. 80 II/2025


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