Der Volkswohlbund plant den Abriss von fünf Häusern in der Chemnitzer Straße. Noch bezahlbarer Wohnraum wird vernichtet, neu entstehender Wohnraum wird deutlich teurer. Über 1.800 Menschen haben eine Petition unterschrieben, dass der Abriss gestoppt werden soll, sowie Gentrifizierung und Verdrängung in Dortmund entschiedener entgegen getreten werden soll. Nachbarschaft und Initiatoren wenden sich an Volkswohlbund und Verantwortliche der Stadt Dortmund tätig zu werden.
Sehr geehrte Mitglieder des Rates und der Bezirksvertretung,
sehr geehrte Verantwortliche der Stadt Dortmund,
unsere Stadt ist auf Kohle und Stahl gebaut, aber ihr wahres Fundament war immer ein anderes: der Zusammenhalt. In Dortmund galt schon immer die Kumpelmentalität. Wir achten aufeinander, wir stehen füreinander ein, und vor allem: Wir lassen niemanden hängen, wenn es hart auf hart kommt. Ein ehrliches Wort und ein Handschlag zählten hier immer mehr als das schnelle Geld.
Doch genau diese Seele unserer Stadt wird gerade in der Chemnitzer Straße verkauft.
Wir, die Nachbarschaft der abrissbedrohten Häuser in der südlichen Innenstadt, wenden uns heute an Sie, weil wir genau diesen Zusammenhalt von Ihnen einfordern. Seit Monaten erleben wir, wie unser Zuhause, fünf Wohnhäuser mit rund 30 Mietparteien, den Abrissbaggern und Profitplänen des Versicherungsunternehmens Volkswohl Bund geopfert werden soll. Hier leben Rentner:innen, die ihr Leben lang für diese Stadt malocht haben. Hier leben Familien, Kinder, Zugezogene und Alteingesessene, die eine lebendige, funktionierende Nachbarschaft bilden.
Dass ein privater Großkonzern auf Rendite und lukrative Neubauten schielt und dabei die Menschen übersieht, ist bitter. Dass aber unsere gewählte Lokalpolitik uns in diesem ungleichen Kampf allein lässt, bricht uns das Herz.
Wo ist das Dortmunder Rückgrat geblieben?
Mit dem Rückzug des politischen Antrags im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen am 28. Januar 2026 haben Sie uns tief enttäuscht. In unseren Augen hat die Lokalpolitik hier in einem entscheidenden Moment die Verantwortung abgegeben. Eine bloße Einschätzung, man habe rechtlich wenig Handhabe, hat gereicht, um den demokratischen Widerstand gegen die Kapitalinteressen einzufrieren.
Damit haben Sie nicht nur Wohnraum aufs Spiel gesetzt, sondern das Wichtigste, was eine Gemeinschaft zusammenhält: Vertrauen. Vertrauen in kommunale Gestaltungskraft. Vertrauen in soziale Verantwortung. Vertrauen in politische Haltung und demokratische Teilhabe.
Verdrängung beginnt mit der Angst
Obwohl die bereits ausgesprochenen Kündigungen rechtlich unhaltbar sind, rückt die Frist Ende April unaufhaltsam näher. Der Vermieter baut eine Drohkulisse auf, die bei vielen unserer Nachbar:innen für schlaflose Nächte sorgt. Viele wissen nicht, wo sie in wenigen Wochen bleiben sollen. Leerstand entsteht nicht zufällig, er ist das Ergebnis kalkulierter Entmietung. Und die rasant steigenden Mieten bei Neubauten werden den endgültigen Verlust dieses bezahlbaren Wohnraums besiegeln. Wenn Sie nicht eingreifen.
Ihre Versprechen am Wahltag – unser Ernstfall heute
Wir erinnern uns noch gut: Vor den Kommunalwahlen im September standen Vertreter:innen von SPD, Grünen und Die Linke bei uns auf der Straße. Schulter an Schulter mit uns. Sie haben uns in die Augen gesehen und versprochen: Mit Ihnen wird es keinen Abriss geben. Wir haben Ihnen geglaubt, weil ein Wort im Ruhrgebiet eigentlich Gewicht hat.
Beweisen Sie uns und allen Dortmunder:innen, dass dieses Versprechen keine reine Wahlkampftaktik war. Zeigen Sie, dass Solidarität in unserer Stadt nicht am Tag nach der Wahl endet.
Wir erwarten Verantwortung – und Dortmunder Tugenden
Die Chemnitzer Straße 4–14 ist kein anonymes Aktenzeichen. Es ist unser Zuhause. Wir fordern Sie eindringlich auf:
Politik bedeutet nicht, wegzuschauen, wenn es unbequem wird. Sie vertreten nicht die Aktionäre eines Versicherungsunternehmens: Sie vertreten die Menschen dieser Stadt. Die Menschen, die Dortmund ausmachen.
Wir bleiben hier. Wir rücken in dieser Krise nur noch enger zusammen. Wir werden unser Zuhause, unsere Rechte und unsere Nachbarschaft mit allen friedlichen Mitteln verteidigen. Und wir erwarten, dass die Stadt Dortmund sich an ihre Wurzeln erinnert und an unserer Seite steht.
Mit entschlossenem Gruß
Die Nachbarschaft der Chemnitzer Straße 4–14, Dortmund
Dieser Brief ergänzt die Petition 'Für den Erhalt der Häuser in der Chemnitzer! Gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn!', die im Bündnis von uns gemeinsam getragen wurde mit
DMB Mieterbund Dortmund e.V.
Mieterverein Dortmund und Umgebung e.V.
SoliNetz Dortmund
Offene Briefe des Bündnis an den Rat der Stadt Dortmund und den Volkswohlbund
| 0231 / 55 76 56-0 | |
| Mo.-Do. | 8:00 bis 12:00 Uhr 13:00 bis 17:00 Uhr |
| Fr. | 8:00 bis 14:00 Uhr |