19. August 2016 ()

Emscher-Renaturierung: 50 Kilometer Kunst

Nach 2010 und 2013 werden in diesem Sommer bereits zum dritten Mal die Ufer des einst dreckigsten Flusses in Europa zu einer Open Air Galerie. Vom 4. Juni bis zum 18. September gastieren zwischen Holzwickede und Herne zahlreiche nationale und internationale Künstler. EMSCHERKUNST heißt das Spektakel, das den Strukturwandel der Region mit Hilfe von Kunst und Kultur erklären und veranschaulichen möchte.

Skulpturen an der einstigen Köttelbecke? Installationen rund um den Phoenix See? Aktionen und Führungen im urbanen Raum des Unionviertels? Pressesprecherin Patricia Bender von der Emschergenossenschaft hat im Vorfeld der EMSCHERKUNST viel damit zu tun, den Pressevertretern und interessierten Bürgern das Konzept dieser Großveranstaltung zu erklären. „Die Renaturierung der Emscher ist ein riesiges Projekt, das noch bis in die 2020er Jahre dauern wird. Mit der EMSCHERKUNST können wir Anwohner und Interessierte auf den aktuellen Stand bringen. Wir zeigen, was sich bereits alles getan hat, und machen die Veränderung sicht- und erfahrbar.“

Dicke Bretter

Die EMSCHERKUNST hat eine enorme Reichweite: Mehr als 450.000 Besucher kamen in den vergangenen zwei Spielzeiten und entdeckten neben weltbekannten Künstlern wie den Chinesen Ai Weiwei auch völlig neue (An-)Sichten auf die Emscher, jenen Fluss, der ganz besonders eng mit Industrialisierung, Niedergang der Schwerindustrie und Strukturwandel verknüpft ist. Knapp eine halbe Million Besucher, 50 Kilometer Route, dreieinhalb Monate Ausstellungsdauer: Das sind dicke Bretter, die gebohrt werden. Aber das Projekt steht auf großen Füßen. Mit dem Regionalverband Ruhr (RVR), der Emschergenossenschaft sowie Urbane Künste Ruhr sind gleich drei potente Partner an Bord, die Erfahrungen mit solchen Großprojekten haben.

Auf der rund 50 Kilometer langen Strecke können die Besucher in sieben Arealen die Arbeiten von mehr als 20 Künstlern erleben. Von der Emscherquelle in Holzwickede führt die Route über Dortmund, Castrop-Rauxel und Recklinghausen bis nach Herne. Auf Dortmunder Stadtgebiet gibt es gleich mehrere Kunstareale zu entdecken.

Sieben Kunstareale

Am Phoenix See ist unter anderen ein vom Münchener Künstler Benjamin
Bergmann installierter traditioneller Souvenirpavillon zu besichtigen. Die Australierin Natalie Jeremijenko widmet sich mit ihrer „Urban Space Station – USS“ der Architektur und schafft eine Symbiose mit bestehenden Strukturen. Die USS dockt an die Klima- und Lüftungsanlagen des umliegenden Gebäudes an und erschafft einen Reinigungskreislauf. Abluft und Abwärme des Gebäudes werden über Pflanzen in der USS gefiltert, gereinigt und dem Gebäude wieder zugeführt. Filmisch setzt sich der Niederländer Erik van Lieshout mit dem Vorzeigeprojekt Phoenix See auseinander: Über mehrere Wochen lebte und arbeitete er in Hörde, ruderte täglich auf die große Insel im See und verbrachte einen Großteil seiner Zeit in selbstgewählter Isolation – eine künstlerische Selbstfindung inmitten des Trubels eines neu geschaffenen Freizeitareals.

Weitere Kunsträume in Dortmund werden das Hochwasserrückhaltebecken in Mengede sein, die Kokerei Hansa sowie das Unionviertel – übrigens das einzige Kunstareal, das nicht direkt am Fluss liegt. Für Patricia Bender ist dies allerdings kein Bruch, sondern das konsequente Weiterdenken der Idee des Wandels. „Das Kreativquartier Unionviertel rund um das EMSCHERKUNST-Besucherzentrum am Dortmunder U liegt geographisch in der Mitte des Ausstellungsraumes. Darüber hinaus passiert entlang der Rheinischen Straße viel an künstlerischer und kultureller Auseinandersetzung mit dem Wandel. Auch der Kontrast zwischen Stadt und Landschaft ist spannend.“

In Kunst schlafen

Diese Herangehensweise ist typisch für die EMSCHERKUNST. „Die Künstler erarbeiten sich einen ganz individuellen Zugang zur Region und verdichten ihre Eindrücke“, erklärt Patricia Bender. Gleichzeitig betont sie, dass es eine Ausstellung für die Bewohner entlang der Emscher ist. Nicht ausschließlich verkopft und abstrakt, sondern mit hohem Erlebnisfaktor. „Gleich an drei Kunstwerken gibt es Übernachtungsmöglichkeiten, die online gebucht werden können.“ Ob in der hölzernen Skulptur „Warten auf den Fluss“ in Castrop-Rauxel, in der kugelrunden „Cloud Machine“ am Phoenix See oder ganz reduziert in den Zelten von Ai Weiwei am historischen Emscherquellhof, selbst im Schlaf lässt sich an der Emscher etwas entdecken.

Das Projekt will sich nicht auf die 100 Tage Ausstellungsdauer beschränken, sondern nachhaltig Veränderungsprozesse anstoßen und der Emscherregion langfristig etwas hinterlassen. So bleiben einige der Kunstwerke dauerhaft installiert und werden auch zukünftig den Besuchern neue Ein- und Ausblicke auf ihre Umgebung ermöglichen. Und auch jenseits der Skulpturen wird die EMSCHERKUNST nachwirken. Im Rahmen eines Schulwettbewerbs werden kunstpädagogische Projekte gefördert, die sich auf ungewöhnliche Weise den Kunstwerken nähern und die die Schülerinnen und Schüler befähigen sollen, sich selbstständig, kritisch und aktiv mit künstlerischen Standpunkten auseinanderzusetzen.

Die EMSCHERKUNST startet am 4. Juni mit einem großen Eröffnungsfest am Phoenix See in Dortmund und läuft bis zum 18. September. Infos zu den einzelnen Künstlern, Kunstarealen und Programmpunkten finden Sie unter
www.emscherkunst.de 

Autor: Mirko Kussion, erschienen im MieterForum Nr. 44 II/2016


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