12. Juni 2018 (Miet- und Wohnungsrecht)

Dauerbrenner Schimmel - Gut beraten

Ende des vergangenen Jahres stellte das Umweltbundesamt einen neuen Schimmelleitfaden vor, der die in die Jahre gekommenen Leitfäden aus den Jahren 2002 und 2005 ersetzt. Auf knapp 200 Seiten richtet sich das kostenlos im Netz erhältliche Werk zwar in erster Linie an Sachkundige wie Handwerker, Immobilienbesitzer und Bauexperten. Doch auch für Mieterinnen und Mieter kann ein Basiswissen über Schimmel nicht schaden.

Quelle: Regine Szewzyk / Umweltbundesamt

Das Thema Schimmel in der Wohnung ist ein Dauerbrenner bei Konflikten zwischen Vermietern und Mietern und führt oft zu Auseinandersetzungen darüber, wer für den Befall verantwortlich ist. Denn nicht immer lässt sich die Ursache schnell, eindeutig und zweifelsfrei – etwa bei undichten Fenstern oder Rohrleitungen – erkennen. Während der Vermieter dann die Schimmelbildung gern auf ein falsches Lüftungsverhalten der Mieter zurückführt, beklagen diese meist veraltete Bauteile, Mängel in der Bausubstanz oder eine nicht vorhandene Dämmung. Spielraum für jede Menge Ärger, das weiß auch Rita Maria Jünnemann, Diplom-Architektin und Energiereferentin bei der Verbraucherzentrale NRW. „Bei der Verbraucherzentrale haben wir immer wieder mit verunsicherten Mietern zu tun, die sich aufgrund eines Schimmelbefalls in ihrer Wohnung beraten lassen wollen. Dabei ist es uns sehr wichtig, dieses mit vielen Emotionen aufgeladene Thema auf die Sachebene zu führen und die Mieter neutral und objektiv zu beraten.“

Verbraucherschutz vor Ort

Neben einem ausführlichen Ratgeber zum Thema Schimmel, der sowohl im Netz bestellt als auch in den Beratungsstellen gekauft werden kann, bietet die Verbraucherzentrale eine Beratung direkt vor Ort an. „Bei diesem Service schaut sich eine Energieberaterin oder ein Energieberater der Verbraucherzentrale NRW, die Situation in den vier Wänden unserer Klienten an“, erklärt Rita Maria Jünnemann. „Sie können so direkt auf bauliche Begebenheiten, wie kalte Raumecken hinweisen, Tipps zur Beseitigung des Befalls geben und Verhaltensempfehlungen geben, wie sich ein erneuter Befall verhindern lässt.“

Mietrechtliche Fragen

Das Thema Schimmel in der Wohnung ist auch regelmäßiges Thema in der Beratung des Mietervereins. Neben bautechnischen Fragen sind mietrechtliche Aspekte zu beachten. Einen ersten Überblick zum Thema bietet der kostenfreie Ratgeber des Mietervereins. Auf wenigen Seiten gibt er übersichtlich an, welche Schritte Mieter einleiten sollten, wenn sie ein Schimmelproblem in ihrer Wohnung entdeckt haben. Explizit wird dabei auch auf Punkte wie Mietminderung, Schadenersatz und fristlose Kündigung hingewiesen. „Das Dokument kann jedoch nur erste Informationen liefern.“, sagt Scholz. „Bei Schimmelbefall in der Wohnung ist immer ein Beratungstermin in der Rechtsberatung notwendig. Fotos helfen bei der Ersteinschätzung. In strittigen Fällen ist es jedoch notwendig, dass die betroffenen Mieter ein Baugutachten einholen, um Ursachen und Verantwortlichkeiten festzustellen. Dies ist insbesondere für die Frage der Mietminderung wichtig. Wir empfehlen generell: Keine Mietminderung ohne vorherige rechtliche Beratung vorzunehmen.“ (mik)

Was ist zu tun?

Wenn Sie als Mieter einen Schimmelbefall entdecken, bewahren Sie Ruhe. Nicht jedes Schimmelaufkommen ist ein Drama. Insbesondere ein kleinerer Befall, beispielsweise an einer Ecke in der Fensterlaibung, kann durchaus selbst beseitigt werden.

Melden Sie einen größeren Befall sofort ihrem Vermieter. Machen Sie dazu Fotos. Halten Sie einen Zollstock an die befallene Fläche. Das hilft die Dimensionen des Befalls auf dem Bild richtig einzuordnen.

Kleinere Schimmelflecken lassen sich im Normalfall mit einem Haushaltsreiniger entfernen.  Putz oder in Fugen können gut mit hochprozentigem Alkohol (mind. 70 %) oder Wasserstoffperoxid (30 %) gereinigt werden. Vorsicht beim Umgang mit diesen Mitteln. Der Alkohol ist – auch wenn er sich verflüchtigt hat – hochentzündlich. Das Wasserstoffperoxid wirkt bleichend und auf der Haut ätzend.

Finger weg vom Essig. Auch wenn er vielfach als Hausmittel gegen Schimmel empfohlen wird. Auf kalkhaltigen Untergründen reagiert der Essig mit dem Kalk und bildet als Wasser einen perfekten Nährboden für Schimmel.

Vorsicht beim Verwenden von chemischen Mitteln aus dem Baumarkt. Diese sind in der Regel nicht erforderlich und belasten zusätzlich die Raumluft.

Befallene Tapeten oder Silikonfugen sollten erneuert werden.

Bei größerem Befall muss der Schimmel fachmännisch bekämpft werden.

Der Vermieter ist in der Beweispflicht. Er muss nachweisen können, dass das Gebäude mängelfrei ist. Sollte darüber keine Einigung erzielt werden, wenden Sie sich an Ihren Mieterverein.

Falls Sie ihre Miete mindern möchten, tun Sie dies erst nach Absprache mit einem Rechtsexperten.

Fordern Sie von Ihrem Vermieter die umgehende und dauerhafte Beseitigung des Schimmels.

Um einen erneuten Befall zu verhindern, gilt es immer, der Ursache des Schimmels auf die Spur zu kommen. Bauliche Mängel wie undichte Fenster, sind vom Vermieter zu beseitigen. Resultiert der Schimmel aus einem ungünstigen Wohnverhalten des Mieters, muss eine Verhaltensänderung her.

Lassen Sie Räume nicht unter 16 Grad Celsius auskühlen. Stoß-Lüften Sie richtig, um vorhandene Luftfeuchtigkeit aus dem Gebäude zu bekommen.

Vermeiden Sie es Wäsche in Wohnräumen zu trocknen. Fall keine andere Möglichkeit besteht: Heizen Sie gut, lüften Sie gut und sorgen Sie dafür, dass die Luftfeuchtigkeit im Raum unter 60 % bleibt. Ein Hygrometer, für unter 10 Euro erhältlich, ist hierbei ein nützlicher Helfer.

Sorgen Sie für ausreichen Luftzirkulation im Raum – stellen Sie kalte Raumecken, etwa von Außenwänden, nicht mit Möbeln zu. Lassen Sie einen Abstand zur Wand, damit die Heizungsluft diese erwärmen kann.

Autor: Mirko Kussin, erschienen in Mieterforum Nr. 51 I/2018


Beratungstermin vereinbaren

Veranstaltungen

Datum: 25. Juli 2018
Zeit: 10:00 bis 12:00
Ort: Arbeitslosenzentrum Dortmund, Leopoldstr. 16-20

"Hartz IV und Wohnen"

Datum: 29. August 2018
Zeit: 10:00 bis 12:00
Ort: Arbeitslosenzentrum Dortmund, Leopoldstr. 16-20, 44147 Dortmund

"Hartz IV und Wohnen"

Datum: 26. September 2018
Zeit: 10:00 bis 12:00
Ort: Arbeitslosenzentrum Dortmund, Leopoldstr. 16-20, 44147 Dortmund

"Hartz IV und Wohnen"

EnergiesparChecks
© 2010-2018 Mieterverein Dortmund und Umgebung e.V.
Impressum
Datenschutz