16. Oktober 2018 (Wohnungspolitik)

Der Mieter zählt nicht

„Sie sind auf der Suche nach einem schlechten Immobilienunternehmen? Dann sind Sie hier genau richtig!“ So beginnt nur eine der über 70 vernichtenden Google-Bewertungen, auf die man bei der Recherche zum Wohnungsunternehmen Altro Mondo stößt. Doch so bitter es klingen mag: Altro Mondo ist beispielhaft für die Verfehlungen eines Marktes, auf dem das Wohnen zur Ware verkommt. Der Mieter zählt nicht mehr, der Kapitalanleger wird umworben.

Foto: Mirko Kussin

In den vergangenen Monaten berichteten viele regionale und überregionale Medien über Missstände in Bestandsgebäuden von Altro Mondo. Der Tenor der Mieterbeschwerden im Internet und auf einer Mieterversammlung in Castrop-Rauxel: Keller, die wochenlang unter Wasser stehen, drohende Einstellungen der Energieversorgung, Schimmelbefall, nicht funktionierende Fahrstühle, verwahrloste Grundstücke. Dass dies keine Einzelfälle sind, zeigt sich, wenn man der Facebook-Gruppe „Altro Mondo – Unser Vermieter“ beitritt. Mehr als 200 Mitglieder haben sich in dieser Gruppe bundesweit vernetzt, tauschen Erfahrungen aus und dokumentieren anhand von Fotos und Videos ihre Probleme mit ihrem Vermieter. Doch wer steckt eigentlich hinter Altro Mondo?

Unternehmensgruppe

Altro Mondo ist Teil und 100%ige Tochter der Dehne & Krüger Holding GmbH mit Sitz in Hannover. Die wiederum ist zu 88% an der DEGAG Deutsche Grundbesitz AG beteiligt. Geschäftsführende Gesellschafter der Holding sind Birger Dehne und Dragana Krüger, Vorstand der DEGAG ist Birger Dehne. Die DEGAG wiederum ist Eigner einer ganzen Reihe von Immobilienprojektgesellschaften, unter anderem der DEGAG Kapital GmbH, der DEGAG WOBA GmbH, der DEGAG Premium GmbH sowie den Gesellschaften DEGAG Erste Wohnen GmbH bis DEGAG Zwölfte Wohnen GmbH. Geschäftsführer aller dieser Gesellschaften: Birger Dehne.

Die von der den DEGAG Gesellschaften gehaltenen Immobilien hatten 2017 einen Buchwert von mehr als 300 Millionen Euro. Die Bestände liegen in ganz Deutschland verteilt, ein Schwerpunkt ist der Nordwesten. In NRW verwaltet Altro Mondo unter anderem DEGAG-Bestände in Dortmund, Herne, Castrop-Rauxel, Wuppertal und Duisburg. Neben dem Erwerb von Mehrfamilienhäusern und Wohnanlagen in gutem, vermieteten Zustand, investiert die DEGAG zusätzlich einen „signifikanten Anteil“ ihres jährlichen Investitionsvolumens in den Erwerb „revitalisierungsbedürftiger Immobilien“ und erweckt die neu erworbenen Objekte „mit gezielten Investitionen aus dem Dornröschenschlaf“, wie es in einem Investorenprospekt aus dem Jahr 2016 heißt, der gezielt nach Kapitalanlegern sucht und ihnen eine Rendite von rund 7% verspicht. In Zeiten von Niedrigzinsen bei Sparbuch und Tagesgeldkonto ein verlockendes Angebot. Also billig kaufen, die Bestände durch gezielte Investitionen aufwerten und den Anlegern eine entsprechende Rendite garantieren. Das könnte auch für Mieterinnen und Mieter in Beständen mit Sanierungsstau nach einer guten Lösung klingen.

Große Worte ...

Entsprechend nachhaltig gibt sich Altro Mondo auf seiner Unternehmenswebseite. „Grundbesitz verpflichtet!“, steht als Überschrift unter dem Punkt Unternehmensphilosophie und so geht es munter-blumig weiter: „So ist es die oberste Maxime unseres täglichen Handelns, den Städten und Ihren Einwohnern ein besseres Lebensumfeld und ein modernes Zuhause zu schaffen, in dem sie mit Freude leben. So haben wir in den letzten Jahren unzählige Immobilien revitalisiert und somit wieder zu einem Ort für zeitgemäßes Wohnen zurückgeführt.“

... wenig Taten

In Dortmund unterhält Altro Mondo einen kleinen Bestand an der Uhlandstraße in der Nordstadt, das Fredenbaum Carré. Früher gehörte der Block der DOGEWO21. „Schöner wohnen“ steht auf einer Hinweistafel gut sichtbar. Geht man jedoch einmal um den Block zwischen Uhland- und Münsterstraße bekommt man ein anderes Bild. Auffällig ist ein scheinbar hoher Leerstand. Zahlreiche Fenster sind leer, keine Gardinen, keine Blumen. Dafür Dreck und Schmutz, der augenscheinlich schon älter ist. Ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass günstiger Wohnraum in Dortmund mehr als knapp ist und die Uhlandtraße eine beliebte Lage innerhalb der Nordstadt ist. Ein Anwohner erzählt, dass er seit vielen Jahren in dem Häuserblock wohnt. Früher sei alles besser gewesen, sagt er. Jetzt könne man niemanden erreichen, wenn es mal Probleme gibt. Seinen Namen will er nicht nennen.

Keine Stellungnahme

Im Juli berichtete das Magazin Westpol im WDR-Fernsehen über Altro Mondo und die diverse gravierenden Probleme der Mieter im sogenannten Emscherblock in Herne: defekte Klingelanlagen, defekte Aufzüge, Schimmelbefall, eingetretene Wohnungstüren. Eine Stellungnahme eines Unternehmensvertreters vor der Kamera bekam das TV-Team nicht.

Umworbene Anleger

In der Ansprache an potenzielle Anleger, wählt die Geschäftsführung der DEGAG andere Töne. In einem aktuellen Investorenprospekt wirbt sie um Kapitalanleger für sogenannte Genussrechte an der DEGAG WohnInvest 7 und zieht dabei sogar Vergleiche zur Fugger-Stiftung, die in Augsburg seit dem 16. Jahrhundert die Fuggerhöfe genossenschaftlich bewirtschaftet. „Mit den Genussrechten bietet die DEGAG Unternehmensgruppe seit Jahren außenstehenden Anlegern die außergewöhnliche Möglichkeit, an den Erfolgen der Grundbesitzgesellschaften zu partizipieren und somit ohne großen Aufwand Kapital genauso sinnvoll zu vermehren, wie es die grossen [sic] Stiftungen schon seit Jahrhunderten erfolgreich praktizieren.“ Es zählt der Anleger, den Mieter beißen die Hunde. 

Autor: Mirko Kussin, erschienen in Mieterforum Nr. 53 III/2018

 

Weiterführende Links

Westpol-Bericht auf YouTube

Werbeprospekt der DEGAG

25 minütiges Werbevideo über die DEGAG

Seiten des Fredenbau Carré 


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