21. Februar 2019 (Wohnungspolitik)

Wohnprojekt Mosaik: Endlich ein Zuhause

Noch ist hier nur Wiese, aber das bleibt nicht mehr lange so. Kleine Metallstäbe sind an den Ecken des Grundstücks am Winterkampweg in Eving in die Erde gesteckt, drumherum gewickeltes Flatterband soll zeigen, wie groß der Platz sein wird. Unter einem Pavillon stehen Bänke, an einer Plane hängen Grundrisse und Skizzen von einem Architekten. Damit man sich vorstellen kann, was hier entsteht.

Foto: Alexandra Gehrhardt

Sylvia Günther und Gabriele Wiemann gehören zu denen, die das, was hier entsteht, vor fast zehn Jahren mit losgetreten haben. Ihre Söhne sind in ihren Zwanzigern, und beide gelten im herkömmlichen Sinn als geistig behindert. Ihr Hilfebedarf hat bisher verhindert, dass sie selbstbestimmt allein wohnen. „In einer typischen stationären Einrichtung wären unsere Kinder zu sehr abhängig von anderen gewesen, Fahrdiensten, Pflegern. Bei der chronischen Unterbesetzung in der Pflege hätten wir das nicht machen wollen“, sagen sie.

Aus dem Wunsch der anthroposophischen Elterninitiative entwickelte sich eine Idee – die eines inklusiven Wohnprojektes, in dem unterschiedliche Menschen nicht nur unter einem Dach, sondern gemeinsam wohnen, unabhängig von Behinderung, Alter, sozialem Status, Herkunft. Passend dazu der Name: MOSAIK. Viele kleine Teile, die ein großes Ganzes ergeben. Seit 2009 ist MOSAIK als gemeinnütziger Verein registriert, seit 2015 als Genossenschaft eingetragen.

Unterstützung von der Stadt

Alternative Wohnformen, die über die klassische Kernfamilie hinausgehen, sind beliebt. Die Stadt unterstützt solche Vorhaben mit einer eigenen Beratungsstelle. „Die Dinge verändern sich, das Wohnen in Gemeinschaft wird vielen Menschen wichtiger“, sagt Manuela Gruner vom Serviceteam „anders wohnen – anders leben“ beim Dortmunder Wohnungsamt. Seit 2007 berät, begleitet und unterstützt die städtische Beratungsstelle Menschen und Gruppen bei der Umsetzung neuer Wohnkonzepte (siehe Info). Auch MOSAIK wird seit 2010 unterstützt.

„Das Serviceteam brachte uns mit anderen Wohnprojekten und fachkompetenten Ansprechpartnern bei der Stadt Dortmund zusammen und half uns bei der Öffentlichkeitsarbeit. Es tat gut, den Zuspruch des Teams zu bekommen und das deutliche Signal, dass Projekte wie unseres ausdrücklich erwünscht sind“, sagt Sylvia Günther.

Gemeinsam entscheiden

Aus der Idee ist ein konkretes Projekt geworden, das, so ist es geplant, im kommenden Frühjahr Wirklichkeit werden soll: Hier im Winterkampweg in Eving, da wo heute der Pavillon auf der Wiese steht und Modellskizzen und Pläne aushängen, ist ein U-förmiges Wohnensemble mit insgesamt 42 Wohnungen geplant.
16 davon wird MOSAIK bauen, vom Ein-Personen-Appartment mit 44 Quadratmetern bis zur Wohnung für fünf mit über 100 Quadratmetern – alle barrierefrei und im Passivhausstandard errichtet. Hinzu kommen zwei Gemeinschaftsräume. Und: Es wird Wohnungen für zwei selbstverwaltete Dreier-Wohngemeinschaften für Menschen ohne und mit Hilfebedarf geben. Der Dortmunder Architekt Andreas Schlösser hat die Pläne gemeinsam mit dem Verein entwickelt.

Der Einzug ist für März 2020 geplant. Neun Menschen haben sich schon zum Einzug entschlossen, 25 Mitglieder hat die Genossenschaft mittlerweile. Alle zwei Wochen treffen sich zukünftige BewohnerInnen und Interessierte zum Hausgemeinschaftsabend und besprechen, was ansteht. „Erstmal geht es uns darum, sich miteinander bekannt zu machen. Und darum, dass Menschen Teil der Gemeinschaft werden wollen und gemeinsam leben wollen. Im Gemeinschaftsbereich passiert das, was die, die das Haus bewohnen, einbringen wollen. Wir wünschen uns auch hier Vielfalt“, sagt Sylvia Günther. 

Der Wunsch nach Gemeinschaft ohne Hürden soll sich auch in der Finanzierung widerspiegeln. 60 Prozent der Wohnungen werden über Landesmittel für öffentlich geförderten Wohnungsbau finanziert, 20 Prozent kommen über einen Kredit der GLS Bank Bochum. Durch die öffentliche Förderung werden die Mieten gedeckelt sein, die Bewilligungsmiete wird bei 5,85 Euro pro Quadratmeter liegen. Trotzdem: 20 Prozent Eigenkapital muss MOSAIK aufbringen; immerhin 775.000 Euro.

Wer Mitglied der Genossenschaft wird, zahlt ein einmaliges Eintrittsgeld von 200 Euro, einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 120 Euro, und zeichnet mindestens einen Anteil über 500 Euro. Obendrauf kommt das Eigenkapital: 550 Euro für jeden Quadratmeter, den die ausgesuchte Wohnung hat – bei 50 Quadratmetern also 27.500 Euro.

Eine Menge Geld, gerade für Menschen, die aufgrund von Behinderungen staatliche Leistungen erhalten und deswegen so etwas wie ein Geldvermögen gar nicht ansparen dürfen. „Der Verein steht auch für Menschen, die kein eigenes Geld haben“, betont Sylvia Günther. Darum ist MOSAIK nicht nur auf der Suche nach weiteren Mitbewohnern, sondern auch nach Geldgebern und UnterstützerInnen (siehe Infobox).

Im Moment planen die zukünftigen BewohnerInnen ihre Zukunft. Sechs Wohnungen, zum größten Teil mit Wohnberechtigungsschein, sind noch frei. 2019 soll es losgehen. Und wenn alles gut läuft, steht dort, wo jetzt noch Flatterband gespannt ist, in zwei Jahren endlich ein Haus. 

Autor: Alexandra Gerhardt, erschienen in Mieterforum Nr. 54 IV/2018

Informationen unter: www.mosaik-dortmund.de


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