6. August 2019 (Wohnungspolitik)

Neuer Anlauf für den Hafen

Der Dortmunder Hafen ist ein Superlativ: Europas größter Kanalhafen, eine Uferlänge von 11 Kilometern, drei Millionen Tonnen Güter werden hier pro Jahr umgeschlagen. Veränderungspläne für den an die Nordstadt angrenzenden Stadthafen des Industriestandorts gab es schon häufiger. Anfang des Jahrtausends sponnen die Investoren Lang und Leutner große Ideen vom Gastronomie- und Szeneprojekt „Docklands“. Außer der Strandbar Solendo kam aber wenig zustande. Das Solendo ist längst Geschichte. Jetzt gibt es umfassende Versuche das Hafenquartier aufzuwerten.

Vor gut einem Jahr erklang der Startschuss für die Neugestaltung des Quartiers mit zwei Großprojekten im südlichen Bereich der Speicherstraße. In das ehemalige Schenker-Gebäude wird der Lensing Media Port einziehen. Das Medienhaus Lensing wird dort auf 6.000 m² seine digitalen Aktivitäten bündeln, Agenturen und Gründer vernetzen sowie die Produktion von innovativen Medienformaten fördern. Ein paar Meter weiter entsteht der „Leuchtturm“, ein sechsgeschossiger Neubau für Startups und Unternehmen der Digitalbranche.

Kein Geld

Doch auch die historische Bausubstanz wird an einigen Stellen erhalten bleiben. In den ehemaligen Pferdeställen an der Speicherstr. 15 arbeiten die Stiftung Soziale Stadt und die gemeinnützige Gesellschaft GrünBau an einem Beratungs- und Begegnungszentrum mit Ausstellungsflächen, Gastronomie und kulturellen Angeboten. Die ursprünglich kalkulierten Kosten von 3,7 Millionen Euro werden allerdings bei Weitem nicht ausreichen. Seit Februar steht eine Gesamtsumme im Raum: 6 Millionen Euro. Die Stadt sucht jetzt händeringend nach neuen Fördertöpfen. Direkt neben dem Heimathafen weicht der Gebäudebestand der noch zu errichtenden Akademie für Theater und Digitalität. Alles in allem viele große zukunftsträchtige Projekte.

Kein Wohnraum

Die Gesamtplanung des Hafenquartiers sieht eine Veränderung über die kommenden Jahre hinweg vor und setzt einen Schwerpunkt auf die Ansiedlung von Dienstleistungs- und Kulturbetrieben sowie ein wenig Gastronomie. Der Neubau von Wohnungen ist in den derzeitigen Plänen nicht vorgesehen. Der Hafen ist Industriegebiet – zusätzlicher Wohnraum würde wahrscheinlich zu Konflikten mit den ansässigen Unternehmen führen: zu laut, zu dreckig, zu gefährlich.

Kein Milieuschutz

Ende 2018 gründete sich eine Initiative aus engagierten Anwohnern. Sie freuen sich, dass etwas passiert, wünschen sich aber mehr Beteiligung. „Es gab zwar Infoveranstaltungen, aber keinerlei Formate, in denen sich die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Vorstellungen einbringen konnten“, sagt Mila Ellee, Raumplanerin und Mitglied der Initiative. Sie betont, dass es der Hafeninitiative nicht darum geht, den Wandel des Quartiers auszubremsen, im Gegenteil. Sie zieht Parallelen zum Phoenix-See: „Wir finden es gut, dass man sich mit dem Quartier beschäftigt, aber die Ausgestaltung ist steril und hat keinen Bezug zu Dortmund. Der Entwurf könnte ebenso in Duisburg, Düsseldorf oder irgendeiner anderen Stadt umgesetzt werden.“ Mit der Lokalpolitik steht die Initiative ebenfalls im Austausch und hofft auf Verbesserungen in der Kommunikation und das Ausbleiben von Verdrängungseffekten. Ein durch die Fraktion DIE LINKE & PIRATEN eingebrachter Antrag einer Milieuschutzsatzung für das Hafenquartier wurde Ende März im Umweltausschuss jedoch abgelehnt. Solch ein Mieterschutz könne unter Umständen die Aufwertung des Viertels behindern, hieß es. Lediglich DIE GRÜNEN stimmten für den Antrag.

Keine Spielräume

Auch der nördliche Teil der Speicherstraße soll ein komplett neues Gesicht bekommen. Durch den Kauf des ehemaligen 50.000 m² großen Knauf-Interfer-Geländes durch die DSW21 wird ein „Entwurf aus einem Guss“ entstehen, entwickelt und vermarktet durch die neue Tochtergesellschaft d-Port21. Das bedeutet: zahlreiche Neubauten, der Straßenverlauf wird nach Osten verlegt, ein breiterer Zugang zum Wasser wird geschaffen. Die östlich gelegenen Kleingärten der Anlage Hafenwiese sollen ebenso erhalten bleiben wie das Event-Schiff „Herr Walter“. Über die genauen Planungen weiß aber Betreiber Oliver Buschmann nichts Konkretes. Die in einer aktuellen Vorlage verwendete Formulierung, dass die außergewöhnliche Gastronomie nach der Umgestaltung „gegebenenfalls an einem neuen Standort“ erhalten bleiben soll, sieht er kritisch: „Auch wenn Teile unserer Gastronomie auf einem Schiff sind, können wir nicht einfach ablegen und 100 Meter weiter den Betrieb wieder aufmachen.“

Sowohl Buschmann als auch Mila Ellee vermissen in dem Entwurf Flächen, die sich mit der Zeit entwickeln und als Spielfelder von der Off-Kultur genutzt werden können. So wie der Speicher 100, einem Gebäude direkt neben dem Partyschiff. Hier trifft sich die Szene zu Ausstellungen, Yoga-Kursen, Schamanischen Wanderungen und Elektro-Partys, kann Co-Working-Plätze mieten oder Atelierflächen. Der Pachtvertrag läuft noch einige Jahre, wie es danach weiter geht, weiß man nicht. Anders wird der Hafen dann auf jeden Fall aussehen.

Autor: Mirko Kussin, erschienen in Mieterforum Nr. 56 II/2019


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